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Wally Lamb: Die Stunde, in der ich zu glauben begann

 Ergreifende Familiengeschichte

Ich glaube, ich habe seit langem nicht mehr so viel Zeit benötigt, um ein Buch durchzulesen. Das letzte 900-Seiten-Exemplar hatte ich nach gut 5 Tagen weg, aber Lambs neues Buch brauchte doch ein wenig Zeit. Gut, das wird einerseits am nicht ganz leicht bekömmlichen Thema und den eng bedruckten Seiten liegen. Teils aber auch am Uni-Stress meinerseits - wenn man dieses Buch regelmäßig im Zug mit sich herumschleppt, wird man gut die doppelte Kalorienanzahl verbrauchen, meine ich. Ob das nicht die Idee zu einem neuen, revolutionären und zudem bildenen Fitness-Programm wäre?

In seinem Nachwort schreibt Wally Lamb, er habe irgendwann im Jahre 1999 mit der Arbeit an seinem Buch begonnen und etwa 9 Jahre dafür gebraucht. Und es ist genau dieser Zeitraum, in dem der größte Teil der Handlung seines Buches "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" spielt.
Man lernt seinen Protagonisten Caelum Quirk kennen, einen Lehrer, der mit Maureen, Krankenschwester verheiratet ist. Anfangs trübt eine Ehekrise, ausgelöst durch Maureens Seitensprünge die Ehe der beiden, was schließlich zur Folge hat, dass sie aus Connecticut fortziehen. So landen sie an der Columbine High School und Maureen wird Zeuge eines Ereignisses, dass das Leben der beiden fortann aus seinen geordneten Bahnen werfen wird: Als zwei Schüler Amok laufen, schafft Maureen es, sich in einem Schrank zu verstecken, muss allerdings miterleben, wie mehrere Schüler erschossen werden. Fortan leidet sie am PTSD, geht kaum noch nach draußen und betäubt sich mit Medikamenten, was schließlich zu einem Schlüsselerlebnis für den Verlauf der Handlung werden wird.
An dieser Stelle ist wohl der Hinweis angebracht, dass man nicht unbedingt den Klappentext im Buchumschlag lesen sollte, denn er verrät vielzuviel und nimmt teilweise Geschehnisse hinweg, die erst nach knapp 400 passieren. Das ist schon ein wenig ärgerlich, da der Text einige Überraschungen vorwegnimmt, mit denen ich wirklich nicht gerechnet hätte.

"Die Stunde, in der ich zu glauben begann" ist aber nicht nur ein Roman über Gewalt an Schulen oder die Aufarbeitung eines Traumas, sondern vor allem auch ein toller Familienroman: Im Laufe der Handlung erfährt Caelum immer mehr über seine Familie, die ihn so geprägt hat: Seinen alkoholkranken Vater, die liebenswürdige Tante, die ständig für ihn gesorgt hat, aber auch über Elizabeth und Lydia, die Gründerinnen des ersten Frauengefängnisses in den Staaten, das sich zufällig direkt neben der Farm der Quirks befindet. Im Laufe seiner Recherchen lernt Caelum einiges über seine Verwandten, aber vor allem auch über sich selbst.

Anfangs habe ich mich wirklich gefragt, wie Lamb die mehr als 700 Seiten seines Romans füllen will: Das würde doch sicher langatmig werden? Zäh wie Kaugummi...pardon, "wie Fontane"? Glücklicherweise kann ich sagen, dass sich meine Befürchtungen überhaupt nicht bewahrheitet haben; an diesem Roman ist keine Seite überflüssig und an Spannung fehlt es nie. Ständig wird man mit neuen Schicksalsschlägen konfrontiert, aber auch mit Dingen, die Hoffnung machen, was den Lebensweg der Protagonisten angeht: Columbine wird thematisiert, der Irak-Krieg und die Auswirkungen, die der Hurrikan "Katrina" in New Orleans anrichtete.
Es sind aber immer wieder die zwischenmenschlichen Dinge, die besonders zu gefallen wissen: Der etwas kindische Betreiber einer Bäckerei, Alphonse, dessen größter Traum es ist, sich einen phönixgelben Mustang zu kaufen, Velvet, Maureens "Problemkind" von der Columbine High, die es allmählich schafft, sich ein geordnetes Leben aufzubauen und und und.
An sympathischen und vor allem glaubwürdigen Charakteren besteht hier wirklich kein Mangel: Caelum ist ein wirklich toller Ich-Erzähler mit Stärken und Schwächen, aber auch die Nebencharaktere wirken stets überzeugend und vor allem für sich einzigartig.

Was der Titel des Buches mit dessen Inhalt zu tun hat, habe wohl nicht nur ich mich gefragt, wobei Lamb die Antwort nicht schuldig bleibt.  So gesehen war ich aber wirklich froh, dass es sich hierbei nicht um eine ellenlange Abhandlung über Glaubensfragen, Kirchenbesuche und die eigene Meinung zu Gott o.ä. handelt.
"Die Stunde, in der ich zu glauben begann" ist ein lebensnahes, authentisch wirkendes und ergreifendes Buch, das zu lesen ich wirklich jedem empfehlen kann, der nicht unbedingt (ausschließlich) Wert auf actionreiche Szenen in einem Buch legt.
Das hier ist mein erstes, aber sicher nicht letztes Buch von Wally Lamb.

28.2.09 23:37
 
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